Klimaprojekt Nr. 2
Die Domaine zu einer CO2-Senke machen
Den Obstgarten erneuern
Jean-René pflanzte 1984 die ersten Niederstamm-Apfelbäume. Vierzig Jahre später erreichen diese Bäume das Ende ihrer produktiven Lebenszeit. Das ist die normale Dauer: Ein Niederstamm-Apfelbaum trägt vierzig Jahre lang gut. Danach sinken die Erträge. Es ist Zeit für Erneuerung.
Aber wir haben diese Bäume nicht gerodet. Sie stehen seit vierzig Jahren, ihr Holz speichert Kohlenstoff, ihre Blätter betreiben noch Photosynthese. Wir haben sie in den Ruhestand geschickt: Sie tragen keine Äpfel mehr, arbeiten aber weiter daran, CO₂ zu binden.
Die 9.000 neuen Bäume wurden auf separaten Parzellen gepflanzt, als Nieder- und Hochstamm. Das sind 13 zusätzliche Hektar Obstgarten, kein Ersatz. Die Domaine bindet also Kohlenstoff auf zwei Wegen: durch die alten, noch stehenden Bäume und durch die jungen, die sich mitten im Wachstum befinden und jeweils zwischen 20 und 25 kg CO₂ pro Jahr binden.
Zu diesen Apfelbäumen kommt eine 2,6 km lange Hecke hinzu, gepflanzt entlang der Ränder und zwischen den Parzellen. Sie beherbergt Nützlinge, strukturiert den Boden und ergänzt das pflanzliche Netzwerk der Domaine.
Warum alte Sorten?
Den Obstgarten zu erneuern bedeutete auch, zu wählen, was neu gepflanzt wird. Wir haben an alten Mostapfelsorten festgehalten. Diese Wahl ist nicht nur eine Geschmacksfrage.
Diese Sorten haben sich über die Zeit gehalten, weil sie widerstandsfähig sind. Schorf, Krebs, Schädlinge: Sie stecken das besser weg als moderne, auf Ertrag gezüchtete Sorten. Diese Robustheit ist genau das, was die biologische Landwirtschaft braucht, in der keine synthetischen Betriebsmittel eingesetzt werden. Ein widerstandsfähiger Apfel braucht weniger Eingriffe.
Wir arbeiten mit Sorten wie Doux Veret de Carrouges, Bedan, Douce Moën oder Petit Jaune. Jede bringt ihren eigenen Beitrag: Bitterkeit, Zucker, Säure, Tannin. Erst ihre Verschneidung ergibt die Balance unserer Cuvées.
Wir sind noch weiter gegangen. Auf einem Hektar haben wir einen Hochstamm-Obstgarten mit sehr alten Sorten gepflanzt, einige davon inzwischen selten. Das Ziel ist nicht der Ertrag, sondern der Erhalt. Jeder Baum hält ein genetisches Erbe am Leben, das sonst hätte verschwinden können.
Ein Obstgarten, der Kohlenstoff bindet
Ein junger Baum wächst, und um zu wachsen, bindet er Kohlenstoff. Diese Wachstumsphase dauert mehr als zehn Jahre. Während dieser gesamten Zeit bindet jeder Baum CO₂ in seinem Holz, seinen Wurzeln und dem umgebenden Boden.
Die Schätzungen variieren je nach Alter, Sorte und Bewirtschaftung, aber im Durchschnitt geht man von 20 bis 25 kg CO₂ pro Baum und Jahr während der Wachstumsphase aus. Bei über 9.000 noch jungen Bäumen wird der Obstgarten allmählich zu einer CO2-Senke.
Das ist unser wichtigster Hebel, um der Erde mehr Kohlenstoff zurückzugeben, als die Domaine freisetzt. Der Obstgarten liefert nicht nur Äpfel: Er trägt zur CO2-Bilanz der Domaine bei.
Auch der Boden arbeitet mit
Man denkt an den Kohlenstoff, der im Holz der Bäume gespeichert ist. Man vergisst den Boden. Dabei spielt sich dort ein weiterer Teil der Geschichte ab.
Unter einem Obstgarten liegt der Boden nie brach. Eine ständige Pflanzendecke bedeckt ihn das ganze Jahr über, zwischen den Reihen und am Fuß der Bäume. Diese Pflanzen binden Kohlenstoff und geben ihn über ihre Wurzeln an die Erde weiter. Der Boden reichert sich Saison für Saison mit organischer Substanz an.
Der Bio-Anbau erhält diesen Mechanismus. Ohne synthetischen Dünger oder Pestizide bleibt das mikrobielle Leben des Bodens intakt. Pilze, Bakterien und Regenwürmer wandeln die Substanz um, stabilisieren und speichern sie. Ein lebendiger Boden hält Kohlenstoff weit besser als ein erschöpfter.
Der Obstgarten bindet Kohlenstoff also zweifach: durch seine Bäume und durch den Boden, der sie trägt.